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Der undurchsichtige Mann von Wikileaks: Julian Assange

12 Jul


Er könnte als eine Heldenfigur vom Volk gefeiert werden: Wikileaks-Gründer Julian Assange gibt uns einen kostenlosen Zugang zur Wirklichkeit, stellt uns Informationen, die uns sonst entbehrt blieben, zur Verfügungen und deckt somit vielerlei Skandale auf (Misshandlungen von irakischen Zivilisten; 160 Unschuldige auf Guantanamo; USA lästern über Politiker…). Er öffnet uns bisher verschlossene Türen.

Als Journalist würde man dies als investigativ bezeichnen, Politiker stempeln seine Vorgehen jedoch als „kriminell“ ab. Ich weiß von diesem Mann nur das Wenigste. So macht es Sinn, einen Blick hinter die Fassaden zu schauen. Neue Informationen im Medienrummel  lassen den Mann in einem schlechten Schatten erscheinen. Bisher stand nicht der Gründer im Rampenlicht, sondern vielmehr die Plattform und ihre Enthüllungen fanden großes (Medien-)Interesse. Der übliche Steckbrief sollte uns zu Beginn über den umstrittenen Helden ein Bild geben: Australier, 39, ehemaliger Hacker und Mathematik-,Physikstudent. Dann der Skandal:
Die Verwaltigungsvorwürfe 2010 in Schweden kurz nach den Veröffentlichungen zum Irakkrieg kommen einer Verschwörungstheorie gleich, so Assange-Anhänger. Vorwurf 1: ungeschützter Sex mit einer schlafenden Frau, Vorwurf 2 (einer weiteren Frau): Er hat beim Sex mit ihr den Kondom absichtlich zum Platzen gebracht.Vom Rattenfänger zum Gejagten. Fest steht, dass es zum sexuellen Kontakt zwischen ihm und zwei Schwedinnen kam, alles andere bleibt Spekulation, das Bild des Genies unvollendet. Voraussichtlich Juli werden die Verhandlungen fortgeführt. Bis dahin lebt der Australier in England, wird gezwungen eine elektronische Fußfessel zu tragen und sich täglich bei der Polizei zu melden.

Julian Assange- Batman oder Bane?

We all only live once. So we are obligated to make good use of the time that we have and to do something that is meaningful and satisfying. This is something that I find meaningful and satisfying. That is my temperament. I enjoy creating systems on a grand scale, and I enjoy helping people who are vulnerable. And I enjoy crushing bastards. (Julian Assange,2010)

Er/Wikileaks möchte Geheimnisse aufdecken, die Politik transparent machen, so die Intentionen. Jedoch geben derzeitige Medienberichte über den Gründerstreit zu bedenken, welche Ziel mit Wikileaks verfolgt werden. In einem Artikel auf der Hompage von Zeitonline heißt es:

 Assange, so lesen wir, kann nicht verwinden, dass es da jemanden neben ihm gibt. Er erträgt es nicht, wenn Domscheit-Berg* ebenfalls als Gründer von Wikileaks bezeichnet wird. Sie streiten ums Geld und um Abrechnungsbelege. Assange manipuliert, erzählt Lügen darüber, was andere ihm über Domscheit-Berg berichtet hätten. Schließlich gibt jede Kleinigkeit Anlass zum Streit.

*Ex-Mitglied von Wikileaks

Selbstbewusstsein auf allen Wegen: Assange in Socken zur Polizei

Geht es nun darum, die Macht der Öffentlichkeit an sich zu reißen? Um Aufmerksamkeit und Erfolg oder tatsächlich nur ums Prinzip? Es wird klar, wie wenig wir von dem Mann dahinter, die treibende Kraft, wissen. Ein Blick in die Vorwürfe seitens Domscheit-Berg bringt neue Seiten ins Licht. Zirka ein halbes Jahr nach seinem Ausstieg aus der „gefährlichen Website“  schildert Daniel Domscheit-Berg in seinem Buch „Inside Wikileaks“ über seine Erfahrungen. Als er im Jahre 2007 Assange kennen lernte, war er recht positiv beeindruckt: Er beschreibt ihn als einen Mann, „in dem dieses Feuer brannte, für den Ideen und Prinzipien und die Veränderung der Welt zum Besseren alles waren.“
Über Geldfragen waren sich beide jedoch nicht einig. Auch als Mensch blieb Assange für ihn schwer einschätzbar: „Obwohl ich so viel Zeit mit ihm verbracht habe, konnte ich nie sicher sagen, wann er flunkerte und wann er die Wahrheit sprach.“ Julian übernahm die Rolle des Dikatators, entschied über alles und gab viele Informationen nicht an seinen Kollegen weiter, so der Ex-Wikileaker. Nun geht er mit seiner Konkurrenzseite OpenLeaks auf Kriegsfuß. Ob der Wahrheitsgehalt dieser Aussagen hoch ist, bleibt ungeklärt. Jedoch bestätigen nachfolgende Quellen genannte Charakterzüge Assange´s: Unter anderem der New York Times und Guardian zufolge, sei Julian ein „Egozentriker“, der nur schwer Regeln einhält. In einem Interview mit der New York Times sagt er überzeugt: “I am the heart and soul of this organization, its founder, philosopher, spokesperson, original coder, organizer, financier, and all the rest,” he said. “If you have a problem with me[…]he should quit.“

Suelette Dreyfuss arbeitete gut 15 Jahre mit Assange zusammen. Heute ist sie Journalistin, Autorin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität von Melbourne. Um die Batman-Metapher aufzugreifen, so bringt sie es mit einer Beschreibung auf den Punkt:

[…]Es gibt Idealisten und Kriminelle. Es gibt private Hacker und jene, die im Auftrag eines Unternehmens oder einer Regierung handeln. Es gibt Gute und Böse.

Auf die Frage, ob Julian nun gut oder böse sei, gibt es keine klare Antwort. Vielmehr betont sie seine positive Zielstrebigkeit und sein Durchhaltevermögen. Sie erzählt, dass Assange zu Hackerzeiten unter dem Pseudonym Mendax bekannt, ein Mensch mit einem ausgeprägten Unrechtsempfinden und Entschlossenheit.

Einen positiven Eindruck über den Wikileaks-Gründer hinterlässt auch Vaughan Smith. Er ist Inhaber eines Londoner Club, in dem sich zu schwierigen Zeiten Assange oft herumtrieb. In einem Interview mit Zeitonline spricht er darüber, wieso er Assange zur Seite steht:

Die Presse ist viel mehr Schuld daran, dass hier das Bild eines Mannes gezeichnet wurde, der aussieht wie ein machiavellistischer Internet-bin-Laden, der aus dem Versteck heraus seine Fäden zieht. Das Bild wurde gemalt und ausgeschmückt, weil es so schön ins Klischee passt. Doch mit der Realität hat es nichts zu tun.

Assange- Batman oder Bane?
Egoist, Vergewaltiger, Diktator- die Medien machen ihn zum Antihelden. Es könnte durchaus sein, dass mit den Skandalvorwürfen letztlich nur journalistische Arbeit nachgegangen wird, um den Becken der Sensationslust aufzufüllen. Viel mehr ist festzuhalten, dass Assange nicht bedingt eine weiße Weste zu tragen scheint und sich bewusst in der Öffentlichkeit eher in den Hintergrund bewegt.
Es heißt ja stille Wasser sind tief…

 
Ein Kommentar

Verfasst von - Juli 12, 2011 in Uncategorized

 

Eine Antwort zu “Der undurchsichtige Mann von Wikileaks: Julian Assange

  1. Vanessa

    Dezember 12, 2011 at 1:42 pm

    Lieber Fatusch,

    interessanter Artikel! Ich bin von der Uni Düsseldorf und wir machen eine Studie zum Thema Demokratie, Medien und Geheimnisse in der Politik. Ich würde mich deshalb freuen, wenn Sie an der Studie teilnehmen könnten. Schicken Sie mir dazu Ihre Mailadresse – ich schicke Ihnen dann einen Link zum Fragebogen? Mehr zur Studie erfahren Sie in meiner Mail. Bei Fragen melden Sie sich gerne!
    MfG
    Vanessa Klüber

     

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