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Facebook integriert im TV

24 Jun

Frankreich lässt Grüßen: Einschränkung der Werbefreiheit

Im deutschen Grundgesetz wird die Freiheit auf wirtschaftliche Leistungen aufmerksam zu machen, die Werbefreiheit, in verschiedenen Artikeln(2, 12, 14) gewährleistet. Natürlich werden hier auch Grenzen gesetzt, beispielsweise bei Verletzung der Menschenwürde. Betrachte man Regelungen diesbezüglich in anderen europäischen Ländern wird deutlich, dass die Beschränkungen zur Werbefreiheit deutlich strenger gezogen werden. Jetzt wurde in Frankreich an alle Rundfunkanstalten ausdrücklich ein Verbot gesetzt, Worte wie „Facebook“ und „Twitter“ zu erwähnen. Werbungen für kommerzielle Dienste sind laut Frankreich in Nachrichtenprogrammen demnach untersagt. Diese Schleichwerbung sei „nachteilig für alle Konkurrenten, die dann ein ähnliches Recht für sich beanspruchen können“, heißt es. Betrachte man unser Nachbarland in Hinblick auf die Konvergenzvorgänge, so verwundert ihre Maßnahme nicht. Seit 2009 existiert eine spezielle Behörde, die gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet vorgeht: die Haute Autorité pour la diffusion des oeuvres et la protection des droits sur l’Internet(= Hadopi) Seit Oktober diesen Jahres hat die Kontrollbehörde bereits 400 000 Verwarnungen wegen Urheberrechtsverletzungen an Internetuser verschickt.Bei einer weiteren Verwarnung drohen solchen Nutzern bis zu einjährige Sperren des Internetzugangs.Senator Michel Thiollière, Mitglied des Hapodi-Gremiums, findet: „Das Internet ist eine fabelhafte Sache, aber es braucht Regeln, wenn die Nutzer auch künftig darüber Videos, Songs oder Computerspiele abrufen wollen“.
Die Rundfunkanstalten reagieren auf dieses Verbot unterschiedlich: Das staatliche Fernsehen France Télévision möchte künftig darauf achten „nicht mehr diese zwei Marken zu nennen, weder innerhalb eines Beitrags noch im Laufe von Diskussionen und Moderationen(…)“
Der Chef des privaten Nachrichtensenders iTele, Albert Ripamonti, sieht dies jedoch anders. In einem Interview mit der Website Ozap sagt er:

 Twitter und Facebook sind ganz normale Medien.Wir werden sie genauso wie andere Medien weiterhin als Quellen zitieren.

Trend: Social Networks integriert im TV

Sowohl im In- als auch im Ausland scheint es zum Trend geworden zu sein, auf Social Networks, vor allem Facebook, zu verweisen.Weltweit wird auf diese Methode der Schleichwerbung zurückgegriffen. Vor allem überraschend sind TV-Sender im arabischen Raum, Nachrichten geprägt von Revolutionen und gesellschaftlichen Umbrüchen, die kaum Sendungen ohne einen Facebook-Verweis veranstalten. Das Network stellt dort bereits ein wichtiges Instrument dar. Es geht um viel mehr als Kontakte zu knüpfen und auf dem Laufenden über das Leben anderer gehalten zu werden.

http://english.aljazeera.net/programmes/witness/2011/02/20112181938841767.html

Menschen, vor allem Jugendliche, werden dazu aufgerufen, für Rechte zu kämpfen- aktiv zu werden. Demonstrationsaufrufe über die Plattform gewinnen viel mehr an Bedeutung und werden zum Mittel zur Macht. Mit Verweisen bestimmter (politischen)Diskussionen und Links ist demnach der „Facebook-Ausbruch“ in Nachrichtensender nicht sonderlich verblüffend. Auch in den USA ist der Trend das Social Networks in Fernsehen einzubinden bereits Gang und Gebe. Facebook Nutzer werden beispielsweise dazu aufgefordert, Fragen zu einer bestimmten Sendung zu stellen, die dann live im TV beantwortet werden.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1362668/Noch-mehr-Geld-fuer-Griechenland

(siehe 12:20 min.)

Ein Screenshot mit Name, Foto und Thread werden in der Sendung aufgezeigt. Interaktivität auf neuem Niveau wird zu Stande gebracht. Solche Verbindungen zwischen Facebook und TV scheinen sich auch langsam in D zu etablieren.Hier eine interessante Form von Werbung für Facebook auf dem privaten Sender RTL:

http://www.youtube.com/watch?v=rnWxs0E1zmE&feature=player_embedded

Es ist wirklich überraschend, dass ein Facebook-Logo am Ende einer Kaffeewerbung eingeblendet wird.
Nach Angaben des Trendreports der PR-Agentur Musiol Munziger Sasserath verweisen rund 65 Prozent der Marken im TV-Spot jedoch auf ihre eigene Website, nicht auf Facebook.

Mit Facebook nach oben?

Wie zu Beginn bereits festgestellt werden in Deutschland rechtlich keine Verstöße mit solchen Facebook-Television- Verbindungen ausgelöst. Vorteile für Unternehmer sind mit dieser Methode offensichtlich vorhanden: Junge Leute werden auf Sendungen aufmerksam gemacht, das Interesse wird geweckt. Selbst die klassische „tagesschau“ wirkt plötzlich modern und erreicht evtl. ein breiteres Publikum, vor allem durch Facebook-Auftritte und die dazugehörige Eigenwerbung in der Sendung. Jedoch darf nicht Frankreichs Argument aus dem Licht gerückt werden. Durchaus könnte man meinen, andere Plattformen, die es noch nicht auf den 10-Meter-Brett geschafft haben, werden vom Facebook-Boom aus dem Wettbewerb gedrängt. Nach Facebook folgt Twitter, ferner scheint die Liste leer.Durch das Verweisen in anderen Medien auf die Erfindung Zuckerbergs wirkt das Machtmonopol stetig größer zu werden.
So heißt es in einem Kommentar zu einem Artikel des Verweis-Verbots auf der ZDF-Homepage:

Twitter und Facebook oder hierzulande auch *VZ bilden ein Oligopol, was durch den beschränkten Wortschatz, der auch durch die Medien mit Phrasen wie “Folgen Sie uns auf Twitter!”, gefördert wird(…) (André Wendt)

Auch ist fraglich, inwieweit das öffentlich-rechtliche Fernsehen seine Seriosität beibehält, wenn ständig Social Networks erwähnt, eingebettete Videos, Links und Beiträge gezeigt und damit Schleichwerbung gemacht wird.

 
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Verfasst von - Juni 24, 2011 in Uncategorized

 

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