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Ebay strukturiert um: einheitlicher Provisionssatz plus Imagewechsel gleich Kundenabgang?

30 Mai

Etwas skeptisch werde ich schon, wenn ich mir die neue Kostenstruktur bei Ebay anschaue: der weltweit bekannteste Kleinanzeigenmarkt scheint mit 850 Millionen Euro Umsatz nicht zufrieden zu sein und steigert die Provisionskosten. Gegenwärtig gilt die Regel: Bei einem Verkauf bis zu 50 Euro, zahlt der Versteigerer 8 Prozent Provision an Ebay. Auktionen, die zwischen 50,01 und 500 Euro enden, werden 5 Prozent des Verkaufspreises zuzüglich 4 Euro berechnet und bei Verkaufserlösen über 500 Euro, entstehen zwei Prozent Provision plus 26,50 Euro. Ab dem 13. Juni wird ein „einfacheres“ System eingeführt: unabhängig vom Verkaufserlös gehen 9 Prozent Gebühren an Ebay. Der Clou: dies gilt nur für Privatverkäufer. Genau die Privatverkäufer, die Ebay erst hat so mächtig werden lassen. Aber hier scheint auch das Prinzip zu gelten: Geschäft ist Geschäft. Immerhin sind Verkäufer von Handyverträgen, Fahrzeugen und Inseraten von der neuen Regelung ausgeschlossen und die Höchstprovision liegt bei 45 Euro. Dennoch stelle ich mir die Frage, wieso Ebay trotz großen Erfolgen es für notwendig hält, einen größeren Anteil am Gewinn haben zu müssen? Schließlich ist gerade dies der Vorteil an (Online-)Flohmärkten: man kann alles loswerden, was seit Jahren zu Hause sinnlos rumliegt und etwas dazuverdienen. Betrachte man jedoch nun, wie hoch Gebühren beim Verkauf bei Ebay anfallen, wenn man alles „richtig“ machen will? Ein von Ebay kostenlos hochgeladenen Foto reicht schließlich nicht aus, um den Kunden das Angebot attraktiv zu machen. Auch die Special-Effects a la Untertitel und Galerie Plus sind je nach Artikel kostenpflichtig. Ein Beispiel: Bei meinem letzten Verkauf von einem Buch über Gesundheit musste ich schlucken, als ich die Schuldensumme an Ebay per Mail bekam. Verkaufserlös: 4,50 Euro; Schuldensumme(Brutto): 0,36 Euro Provision(relativ gering) + 0,65 Euro Einstellungsgebühr macht einen Rest von 3,49 Euro. Fairerweise muss ich auch erwähnen, dass Ebay öfter Angebote macht und an bestimmten Tagen der Verkauf kostenlos ist. Dass Ebay Vor-und Nachteile für den Verkauf hat ist offensichtlich.

Image ist alles

Es scheint Ebay weniger um die Finanzen zu gehen, betrachte man ihre derzeitigen Aktivitäten: sie wollen ihr Image einer typischen Gebrauchtwarenbörse loswerden und starten bald eine neue Kampagne unter dem Motto „Mein Ein für alles.“ Ziel ist ein „Einkaufsuniversum“ zu werden.
Herbert Braun von der Zeitschrift CT, zu Gast bei DRadio Wissen, weiß:
„Sie versuchen sich stärker zu positionieren als Vermarktungsplattform für professionelle Händler.“ Somit wird der Privataktionär immer mehr in den Hintergrund gerückt, „3-2-1- meins“ war einmal. Die Privatverkäufer auch? Für Braun steht fest: Ebay macht diese Provisionserhöhung vor allem deshalb, weil sie es sich leisten können. Schließlich gelten sie als Monarchen im Bereich der Onlineverkaufsplattformen. Dass sie einen beliebten Ruf bei Internetuser haben, beweist auch der Spiegel mit Zahlen: immerhin 14, 5 Prozent ihrer Online-Zeit verbringen die Deutschen beim Wetteifern, Hoffen und Bangen. So schreibt ein treuer Mitglied dem Online Focus:

Ich kaufe schon seit Jahren über eBay, der Einkauf hat sich fast immer gelohnt. Negative Erfahrungen habe ich so gut wie keine. Wenn man Vorsicht walten lässt, sich das Verkäuferprofil ansieht, die Kommentare liest, einen zusätzlichen Sicherheitsschlüssel für eBay und PayPal benutzt (entspricht dem TAN beim Bankensystem) ist man besser abgesichert als beim Einkauf über manche Webseiten

Zwischenstopp Kritik. Schließlich wissen wir auch, dass in den letzten Jahren Ebay immer öfter von Mitgliedern kritisiert wurde. 2008 sorgte es für Aufruhr, als ein neuer Bewertungsprofil, das keine negative Kritik erlaubt, eingeführt werden sollte: in den USA wurde es übernommen, Deutschland hat sich noch nicht daran angeschlossen.
Auch „Rachebewertungen“, der harte Umgang mit kleinen formalen Verstößen und Fakeprofile, die die Preise in die Höhe treiben sind Themen, die in Foren diskutiert werden.

Ob Ebay genauso viele Vorteile dem Verkäufer wie dem Käufer entgegenbringt, sei mal dahin gestellt. Aussagen zur  Kundenstruktur können spätestens dann gemacht werden, wenn Ebay im neuen Licht auftritt. Wer sich ganz den Provisionen entziehen will, sollte Artikel in lokalen Kleinanzeigen( auch im Net vertreten) zum Verkauf stellen, diese sind meist kostenlos. Außerdem scheinen neue Verkaufsbörsen den Onlinemarkt zu betreten:
Das jüngste Portal Flip4New aus Frankfurt kauft alle möglichen Elektrogeräte, unabhängig vom Zustand, an(Handys, Digitalkameras, MP3-Player etc.). Im Gegenzug erhält der Kunde Bargeld, einen Gutschein oder ein Neuprodukt. Der Vorteil: der Kunde muss nur wenige Daten über den abzugebenden Artikel geben und erhält sofort die Info, wie viel Geld er damit verdienen kann. Auch das Warten, Bearbeiten, Fotografieren und Beobachten fielen weg.
Neue Konkurrenz für Ebay?

 
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Verfasst von - Mai 30, 2011 in Uncategorized

 

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